Progressive corner



82 Punkte

Die Brüder Hans (Bass) und Anders Rosen (E-Violine) gründeten 1996 die Band "Hagen" mit dem Ziel, eigenständige, nie dagewesene Rockmusik zu machen. Aus diesem Grund versuchte Anders Rosen, seine E-Violine durch eine Gitarren-Effektbox zu spielen, und die Brüder waren vom Resultat so begeistert, das sie begannen, Folkrock-Songs mit Hardrockcharakter zu schreiben. Mit Per Nilson stiess ein vielversprechender Gitarrist hinzu, und mit Hans Lundin, der schon bei der legendären Band Kaipa in den 70ziger Jahren mit dabei war, konnte ein versierter Keyboarder verpflichtet werden. Michael Ohlsson (Gesang) und Patrick Jansson (Schlagzeug) vervollständigten das Line Up. Wie schon angedeutet, ist die musikalische Richtung eine satte Ladung Folk, gepaart mit kraftvollen Rockelementen. Davon ist aber im Opener wenig zu hören, "Summer Air", mit knapp 7 Minuten der längste Song auf "Corridors of Time" ist eine sich im Midtempo bewegende melodische Rocknummer mit herrlich gespielten Gitarrensolis im Stile von Santana. Beim instrumenten "For Kristina" geht's dann aber voll ab, die durch die Gitarren-Effektbox gespielte Violine und die Heavy Gitarren passen ausgezeihnet zusammen, etwas störend sind die gelegentlichen Frickelorgien, aber ansonsten eine gelungene Nummer. Genauso heavy geht es mit "Sundown" weiter, welches gesanglich sehr in Richtung Deep Purple geht. Mit "Mother Nature" und "Questions" wird's noch eine Spur rasanter, erst mit der Ballade"The Northwinds Blow" kehrt so etwas wie Ruhe ein. Ziemlich mystisch ist der instrumentale Track "Mountain Song", bei dem vor allen Dingen die Violine dominiert, und mit Hilfe der Gitarren-Effekt Box verdammt schräg tönt und "Nobodys Listening" einleitetet. "Nobobys Listening" darf man wohl als einen der Höhepunkte auf dem Werk betrachten, das Ding groovt und groovt!!! Das kurze "Sweet Tender Sofie" kann da bei weitem nicht mithalten, der Song ist ein wenig verschachelt und etwas zu schleppend, und mit knapp drei Minuten auf lang genug. Und da ich schon gerade bei der Spieldauer der Songs bin, es befindet sich auf dem Album ja nicht wirklich ein Longtrack, und das ist auch gut so, auf "Corridors of Time" liegt in der Kürze die Würze, und meiner Meinung nach würde ein wenig Langeweile aufkommen, wenn die Songs eine längere Spieldauer hätten. "For Ulf" ist wieder ein instrumental, welches mit netten Melodiebögen ausgestattet. Ein weiterer Highlight ist das anfangs balladeske "June", das immer mehr aufdreht und ein regelrechtes Rockgewitter ausbricht. Mit zu den besten Songs gehört auch "Afraid", das etwas eingängiger als die anderen Songs ist, und wo die Keys mal nicht so weit im Hintergrund sind. "Remember" ist eine Hymne mit interessanten Stilwechseln und bombastischen Ausgang. Folkrock pur vermittelt der letzte Song, und beschliesst diese nicht alltägliche Scheibe. Fazit: Die Schweden haben da ein Album produziert, welches über weite Strecken sehr interessanten Folk- und Progressiven Metal bietet. Wer "Iona" kennt und mag, und es gelegentlich auch ein bisschen heftiger gern hat, der sollte mal in das Teil reinlauschen. Aber auch diejenigen, welche auf der Suche nach eigenständige Rockmusik sind, sollten mal ein Ohr wagen.